Bahnhof

Willkommen in der Stadt.

Der Bahnhofsvorplatz ist das Tor zur Stadt – hier beginnt und endet jeder Fußweg. Wer in Kempen ankommt, betritt an diesem Ort erstmals den Stadtraum; wer die Stadt verlässt, nimmt von hier Abschied. Dieser Platz ist damit nicht nur ein Verkehrsknoten, sondern das Aushängeschild und der wichtigste Zugang zur Innenstadt.

Gerade deshalb sollte hier konsequent die Fußgängerzone beginnen. Wenn wir Kempen als 10- oder 8-Minuten-Stadt denken, dann müssen die Wege vom Bahnhof in die Innenstadt sicher, direkt und attraktiv zu Fuß und mit dem Rad möglich sein. Der Radverkehr sollte optimal bis an den Bahnhofsvorplatz herangeführt werden – denn aus allen Stadtteilen kann man bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen.

Für Pendlerinnen und Pendler aus dem Umland genügt die östliche Seite des Bahnhofs als funktionale Ankunfts- und Umstiegsfläche. Die westliche Seite hingegen sollte den Menschen gehören: mit Raum zum Ankommen, Verweilen, Begegnen – statt Durchgangsverkehr.

Viele andere Städte haben diesen Schritt längst vollzogen und gute Erfahrungen gemacht. Jetzt sollte auch Kempen nachziehen und seinen Bahnhofsvorplatz als echten Eingang zur Stadt gestalten – offen, sicher und lebendig.

Beispiel Konstanz

Noch ist die Umgestaltung neu und wenig grün, aber sogar im Winter fühlt man sich hier herzlich willkommen.

Vorschlag für Kempen

Legende

Grün: Fußgängerzone/Umweltzone

Rot: ÖPNV-Linien

Blau: MIV

Gelb: Parken

Kempen, da geht viel mehr!

Stellungnahme zur beabsichtigten Umgestaltung des Bahnhofsbereiches

Die geplante Umgestaltung des Bahnhofsbereiches wird grundsätzlich begrüßt, da der Bahnhof als zentraler Ankunfts- und Mobilitätsort eine hohe Bedeutung für unsere Stadt besitzt. Allerdings weisen die vorliegenden Planungen aus unserer Sicht erhebliche Defizite auf.

Fehlende Einbindung in ein Gesamtkonzept

Die aktuellen Planungen sind nicht erkennbar in ein übergeordnetes Mobilitätskonzept eingebettet. Eine isolierte Umgestaltung einzelner Straßen- und Platzflächen ohne Abstimmung mit einem umfassenden Mobilitätsplan führt zu hohen Kosten, ohne nennenswerte strukturelle Verbesserungen für die verschiedenen Verkehrsarten zu erzielen. Gerade im sensiblen Bahnhofsbereich ist jedoch eine integrierte Betrachtung aller Verkehrsströme zwingend erforderlich.

Fußgängerverkehr

Positiv ist hervorzuheben, dass die vorgesehenen Zebrastreifen die aktuelle Situation partiell verbessert. Dies kann auch sofort umgesetzt ohne weitere Umbauarbeiten werden.  
Aber es fehlt ein Gesamtkonzept, um Wege zum Bahnhof für Fußgänger zu optimieren:

  • Auch an der südlichen Seite der Thomasstraße besteht ein klarer Querungsbedarf, ebenso an weiteren Stellen rund um den Bahnhof.
  • Fußgängerinnen und Fußgänger müssen weiterhin ungeschützt den Busfahrstreifen queren.
  • Die Wegeführungen zum Bahnhof wurden insgesamt nicht verbessert. Die empfohlenen Gehwegbreiten scheinen nicht verbreitert zu werden. Ein durchgehender grüner Weg vom Brahmsweg bis zu den Lebensmittelgeschäften würde nicht einbezogen.
  • Für Wartende entstehen keine qualitativen Verbesserungen (s.u. Lebensqualität); weiterhin stehen Reisende am zugigen Bahnhof ohne geschützten, attraktiven Aufenthaltsbereich im Freien (Park).
  • Die Umwandlung der Thomasstraße in eine Fußgängerzone – gegebenenfalls mit freigegebenem Radverkehr und/oder Busverkehr – sollte ernsthaft geprüft werden. Ziel muss es sein, sichere Querungen zu schaffen, Aufenthaltsqualität zu erhöhen und die Erreichbarkeit des Bahnhofs für Fußgänger deutlich zu verbessern.
    Vor dem Bahnhof sollte eine Begegnungszone oder sogar ein autofreier Bereich, so wie in vielen Städten realisiert wurde, im Mobilitätsplan eingeplant werden. Wir verweisen hier besonders auf die Stadt Konstanz, der diesen Bereich gerade nur für den Umweltverbund geöffnet hat.

    Bahnhofplatz – Stadt Konstanz

  • Es ist nicht erkennbar, welche Vorteile eine LSA im nördlichen Bereich bringt (weder für den Fußverkehr, noch für die anderen Verkehrsarten. Eine LSA ist nicht nur teuer in der Anschaffung, sondern auch in der Wartung und bringt immer diverse Probleme, vgl, Vortrag Stimpel (Stadtplaner, Vorstand FUSS e.V. Deutschland) Verkehrsrecht auf die Füße stellen, Folie 7 bis 11, bzw. den Vortrag dazu: https://youtu.be/5VwTFV_OA1o

Radverkehr

Der Bahnhof ist ein zentrales Ziel des Radverkehrs. Dennoch fehlen durchgehende, sichere Verbindungen aus den Wohngebieten. Dabei ist der Radverkehr zu den Lebensmittelgeschäften mitzudenken.

Diese Verbindungen sollten aus allen Stadtteilen heraus konzipiert und verbindlich im Mobilitätskonzept verankert werden.

Autoverkehr

Die Straße am Bahnhof wird derzeit als Schleichweg durch die Stadt genutzt. Gleichzeitig ist der östliche Teil des Bahnhofs gut mit dem Auto erreichbar. Hier könnte der gesamte Bring- und Abholverkehr gebündelt werden.

Im Rahmen eines umfassenden Mobilitätskonzeptes sollten daher die optimale Zufahrt zum Bahnhof grundsätzlich neu gedacht werden. Wir schlagen vor:

  • Konzentration des Bring- und Abholverkehrs auf der Ostseite,
  • Prüfung eines attraktiven Parkhauses auf der östlichen Seite, das zugleich Besucherinnen und Besucher der Innenstadt aufnehmen kann (evtl. wäre auch ein Parkhaus am Standort alte Post möglich).
  • Nutzung der bestehenden Unterführung in Kombination mit einer Umgestaltung der Thomasstraße, sodass Besucherinnen und Besucher direkt fußläufig und attraktiv in die Innenstadt erreichen.

Dies könnte zudem positive städtebauliche Impulse setzen. Insbesondere entlang der Thomasstraße könnten neue Geschäfte entstehen, was den Handel beleben würde – beispielsweise auf dem Gelände der alten Post –, sodass Besorgungen bequem auf dem Rückweg vom Bahnhof erledigt werden können.

Bus- und Taxiverkehr

Positiv ist, den Bereich der Straße mitzunutzen. Dies könnte sogar über den gesamten Straßenverlauf mitgedacht werden. 
Hier sollte überlegt werden, ob die Linienführung noch zeitgemäß sind. Es sollte geprüft werden ob der gesamte Busverkehr über die St. Huberter Straße zum Bahnhof hingeführt und über die Kleinbahnstraße und Kurfürstenstraße wieder abgeführt werden kann. Die Taxis werden zu sehr an den Rand gedrängt und verlieren an Attraktivität. Zusätzlich wird hier wieder Fläche versiegelt, die besser für Mensch und Natur nutzbar wäre. Wir können und auch nicht vorstellen, dass die Menschen in dem Wohnhaus direkt am Bahnhofbegeistert sind, dass jetzt Verkehr auch hinter ihrem Haus fließt.

Lebensqualität und Aufenthaltsqualität

Die derzeitigen Planungen führen lediglich zu minimalen Verbesserungen. Ein attraktiver Wartebereich – etwa in Form eines kleinen Parks mit geschützten und ansprechenden Sitzgelegenheiten – ist nicht vorgesehen. Gerade der Bahnhof als „Visitenkarte“ der Stadt UND Tor zur Stadt sollte jedoch mehr bieten als reine Verkehrsabwicklung.

Schlussbemerkung

Die geplante Maßnahme verursacht erhebliche Kosten, ohne die grundlegenden strukturellen Probleme zu lösen. Statt punktueller Eingriffe ist ein abgestimmtes, ganzheitliches Konzept erforderlich, das Fuß-, Rad-, Bus- und Autoverkehr gleichermaßen berücksichtigt und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität deutlich verbessert.

Wir empfehlen daher, den Antrag von Stefan Ditzen von 2022 in die weiteren Beratungen einzubeziehen und die Planung auf Grundlage eines integrierten Mobilitätskonzeptes grundlegend zu überarbeiten.